morgen es wird schoen ist das Solo-Projekt des Musikers und Produzenten Stefan Frankenberger; er übernimmt damit das Erbe einer längst vergessenen gleichnamigen Band, mitsamt Herzschmerz und Vexierspielen zwischen Schein und Sein.

morgen es wird schoen ist ein Labyrinth an Bedeutungen und Identitäten. Begonnen von zwei auswärtigen Kunststudenten Ende der 80er, als Wien noch schmutzig und das Ende der Welt war, wird es heute  als Soloprojekt weitergeführt, und das dem Vernehmen nach ausdrücklich von den Gründungsmitgliedern dazu befugt.
2010 tritt morgen es wird schoen erstmals wieder auf. Kurz darauf wird die EP der Urbesetzung „false stars“ wieder herausgegeben und ein Album angekündigt. Das sollte aber einige Jahre in Anspruch nehmen, ehe es Juni 2017 endlich erschien. Für Mai 2019 ist nun das zweite Album „candy hap prioritaire“ angekündigt:

„Nach 2 Jahren schöpferischer Pause geht Stefan Frankenberger alias morgen es wird schoen also wieder ins Archiv seiner jahrzehntelangen Klangforschungen und klaubt Preziosen der ganz anderen Art hervor: Klang der Vorgänger CAPRIOLE noch nach elaboriertem Feinsthandwerk, kommt CANDY HAP PRIORITAIRE äußerst unpoliert daher – Blues, Rock, dirty soul. Und vor allem: diesmal singt der Mastermind ausnahmslos selbst! Er meinte dazu, die Gastsänger seien auf Dauer einfach zu teuer geworden. Chapeau für so viel Ehrlichkeit, denn das ist ein Qualitätsverlust auf sehr charmante Art.
Ein Track ragt jedoch heraus, dort blitzt die Arrangier- und Experimentierfreude des Vorgängers durch: Brennnessel fields forever. Eine Welt an Song.“

– Jockel Weingart (musicoftoday-Blog) in seiner preview-Kritik vom 15.4.2019 –

Geschichte

14.4. 1982: die beiden ehemaligen Kunststudenten Dirk E. Schaetzler und Peter Obroni buchen ein Ticket mit dem Nachtzug von Düsseldorf nach Genf. Der Zug wird ohne ihre Kenntnisnahme geteilt und ihre Garnitur nach Wien geführt.
Sie lernten sich Mitte der 1970er in der Kunstklasse von Joseph Beuys kennen. Dort wurden sie mit einer neuen Auffassung von Kunst konfrontiert, die nicht das Werk, sondern die Haltung in den Mittelpunkt stellte. Als Beuys als Professor an der Düsseldorfer Akademie entlassen wurde, quittierten auch Obroni und Schaetzler 1975 ihr Studium.

15.4.: Ankunft am Wiener Südbahnhof. Einquartierung im Hotel Erica in der Favoritenstraße. Erste Kontakte mit dem Wiener Kunst- und Halbweltmilieu.

1982/83: Schaetzler und Obroni gründen eine Kunstspedition.

Herbst 1987: Die Speditionsfirma ist bankrott. Obroni und Schaetzler sind mittellos und ziehen in Obronis Wohnung in der Triester Straße zusammen. Dort entstehen die ersten Lieder von morgen es wird schoen.

23.2.1988: erster Auftritt von morgen es wird schoen im Foyer des Hotels Erica. Wenig Besucher, aber alle sind danach Fans. Das zweite Konzert (in einer benachbarten Bar) war schon gut besucht, darunter auch Mitglieder der Entourage von Burgtheaterdirektor Claus Peymann. Diese luden sie ein, im Café Korb in der Wiener Innenstadt ein Konzert zu spielen, der ihren Durchbruch als Geheimtipp der Wiener Underground-Szene bedeutet.

1989: erste Erwähnung in der Presse (Falter, 19/89). Ihr Stil des ausschweifenden absurd-philosophischen Interviews setzt Zeichen.

1989-1992: ca. 50 Konzerte in und um Wien, dazu noch ein paar inoffizielle in Bahnhofshallen, U-Bahnen und auf der Straße.

Februar 1992: Aufnahme der ersten EP „false stars“ im Studio Kaputt/Wien

Mai 1992: Gastspiel an der Schauspielschule Falckenberg in München

Juni 1992: Obroni und Schaetzler lösen morgen es wird schoen plötzlich und ohne Angabe von Gründen auf.

Pressestimmen

Interview mit Enemy, dem online Musikmagazin aus Österreich: Link


„…das Beisl war fast leer. Außer der Kellnerin, einem Tonmann und der Band war niemand da. Die Band war bemalt, was ich erst lächerlich, dann aber schlüssig fand, und irgendetwas in der Musik und der absurden Darbietung zog mich hinein in einen Strudel der Selbstbetrachtung. Dabei trank ich nur eine Limo! Ich war in einem Rausch, wie man ihn nur noch selten erlebt, wenn man von berufsmäßig fast täglich mit irgendetwas Neuem, Aufregendem zu tun hat. Also behielt ich morgen es wird schoen im Auge. Falls das was werden sollte, möchte ich es mir nicht entgehen lassen und prophezeie eine goldene Zukunft.“

– Karl Himmel im Feuilleton der Frankfurter Rundschau am 2.4.1988 –


Zum Album „capriole“, 2017:
„‚Capriole‘ ist eine eigenartige Erfahrung. Sie schickt dich direkt in ein Spiegelkabinett, in dem jeder Song eine eigene Perspektive einnimmt. Lieder über die Niederlage und den Vertrauensverlust, über die Liebe zweier Menschen in all ihren Schattierungen und über Kinder, wie sie die eigene Kindheit reflektieren. Aber: ist morgen es wird schoen dann nicht einfach nur die nächste larmoyante Selbstbegutachtung eines makellosen Genies? Nein. Denn es läßt die Hörer die Dinge selbst erfahren. […] Dabei wird die Musik nie zu vordergründig; sie ist wie ein Tableau, eine Filmmusik, jedoch ohne Film.“

– Eric Dempsey, London –


„Dieses Debutalbum erinnert an die große Zeit der LP als Gesamtkunstwerk, und die Musik wirkt auch ganzheitlich. Nicht der einzelne Song steht im Vordergrund, sondern die Stimmung. […] Die drei Gastsänger Mani Obeya, Fredi Themel und Alex Atschimov sowie die großen Streicher- und Bläserarrangements geben der Produktion eine wunderbare Vielstimmigkeit, die sich jedoch nie im Beliebigen verliert.“

– Luisa Fuchsinger, Blick/CH –

Zu „false stars“, 1992:

„Man möchte den Sänger an der Hand ins Licht führen, so viel Schmerz klingt aus seiner Stimme […] bewegend auch die Lyrik und die Reduktion […]“

– Herbert Reckl, TZ –


Zeitungsartikel